Freitag, 8. September 2023

Die trübe Linse muss raus

Seit ich 14 bin, trage ich eine Brille, aber wie schlecht ich wirklich sehe, wurde mir erst heute Morgen klar. Gestern wurde mein linkes Auge operiert. Grauer Star. Heute Morgen wurde das Pflaster vom Auge genommen. Die folgenden Minuten überrascht mich mehr als erwartet. Das erste, was ich wahrnehme, war der starke Schleier auf meinem rechten Auge. Eigentlich mein gutes. Im Vergleich zum linken, operierten Auge war die Trübung nun über aus deutlich. Also konzentrierte ich mich auf das linke Auge. Alles, was ich anschaue, ist heller, klare und die farbenintensiver. Erst jetzt, durch den Vergleich, wird mir bewusst, wie eingeschränkt meine Sicht war. Auch im zwischenmenschlichen brauche ich eine Augen-OP. Ich möchte meine Welt und vor allem die Menschen, die mir begegnen, so sehen, wie sie wirklich sind. Aber auch hier sind meine Augen getrübt. Durch meine Erfahrungen und Erwartungen beurteile ich Menschen. Ganz automatisch. Ihr Äußeres, den Klang ihrer Stimme, ihre Wortwahl, ihre Körperhaltung, ihre Kleidung. Ich versuche, sie einzuordnen, aufgrund meiner Erfahrungen: in sympathisch, interessant, langweilig, fremd oder schräg. Dabei mache ich immer wieder dieselbeErfahrung: Wo ich mir Zeit nehme hinzuschauen,, n hinzuhören und Menschen wirklich kennenzulernen, muss ich meinen ersten Eindruck revidieren oder zumindest ergänzen. Dann stelle ich fest, dass ich nicht so unvoreingenommen bin, wie ich es gerne von mir denken würde. Ich brauche eine klare Linse. Ich brauche andere Augen. Ich brauche offene Augen. Ich brauche auch eine Wertschätzung. Ich brauche liebevolle Augen. – Ich brauche Gottes Augen. 1. Samuel 16:7 (ELB85)
Denn [der HERR sieht] nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der HERR sieht auf das Herz.
Ich brauche noch etwas anderes:
Ich brauche diesen liebevollen Blick auch für mich selbst. Was ich mit meinem operierten Auge sehe, ist, dass meine Wohnung bei weitem nicht so makellos ist, wie ich dachte. Plötzlich sehe ich die Spritzer auf den Kacheln in der Küche, am Fenster, neben der Arbeitsfläche, die Flecken an den Schranktüren und die Rückstände in den Ecken. Ich brauche eine klare Sicht auch auf mein Herz, damit ich barmherziger mit anderen sein kann.
Ich bin zutiefst dankbar für diese Erfahrung. Ich möchte mit neuen Blick durch meinen Tag gehen. Ich möchte sehen, was Gott sieht. Ich möchte staunen, ich möchte. Lieben, und ich möchte ihm erlauben, in meinem Herzen und meinem Leben aufzuräumen.
Mögest auch du dir von ihm die trüben Linsen ersetzen lassen.

Andreea =)

Wer mehr von mir lesen, will, hier der Link zu meinem Buch: Dein Leben, Sein Meisterwerk


1 Kommentar:

  1. Waow … einmal mehr begeistert mich deine Übertragung. Immer wieder hast du die Gabe in die eine oder andere Richtung, Erkenntnisse, Offenbarungen oder sogar „Wahrheiten“ zu übertragen. Vom natürlichen ins geistlichen oder umgekehrt. Ich profitiere sehr davon … danke!! <3

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